Rubin Royal

image

Heute habe ich in mehrfacher Hinsicht eine besondere Verkostungsaufgabe. Zum einen handelt es sich um meinen 200. Biertest hier auf Hopfen-Craft, zum anderen geht es heute um ein völlig neuartiges Produkt. Rubin Royal ist sozusagen der Brückenschlag zwischen Bier und Wein. Eine Doppelbockwürze, mit einer britischen Ale-Hefe sowie Champagner-Hefe vergoren, wird am Ende mit einem eigens produzierten Beerenwein zusammengeführt, der mit Weinhefe vergoren wurde. Das ganze im Verhältnis 80/20. Eine mehrwöchige Lager- und Reifephase soll dazu führen, dass sich die Aromen optimal verbinden. Das Produkt ist der diesjährige Gewinner des Innovationswettbewerbs für Getränke und Lebensmittel der TUM Weihenstephan. Ich bin sehr gespannt!

Nur noch der Vollständigkeit halber: Das Getränk ist rubinrot. Der Schaum ist leicht rosa-rötlich, fein- bis mittelporig und bleibt kurz stehen. Es riecht schon eindeutig würzig nach Bier. Dazu kommt aber gleich der fruchtige beerige Geruch nach Sauerkirschen, Heidelbeeren und Himbeeren. Es riecht großartig, und da es so andersartig ist, möchte man gar nicht mit dem Schnuppern aufhören.

Ebenso interessant ist aber auch der Antrunk. Zuerst trifft man auf eine vollmundige Malzigkeit. Sofort kommen aber auch wieder die Beerenaromen mit ins Spiel. Relativ spritzig, aber in vernünftigem Maße dosiert ist die Kohlensäure. Irgendwann setzt auch die Hopfenaromatik ein, und man vergisst die ganze Zeit über nicht, dass man es durchaus mit einem Bier zu tun hat. Die Harmonie aus Süße und Säure begeistert mich bei diesem Biermischgetränk. Irgendwie ist von allem was da, und bei jedem Schluck kommen wieder neue Facetten hinzu. Der Abgang ist extrem lang, und neben einer leichten Hopfenbittere vom verwendeten Hallertauer Blanc kommen noch mal die würzigen Bieraromen durch, die sich mit den fruchtigen Aromen bestens vertragen.

Die Geschichte von Rubin Royal ist  wirklich erzählenswert, daher lasse ich sie David Minkenberg, einen der vier Studenten aus Weihenstephan mal selbst erzählen:

„Als der allererste Sud noch in einem ausgeräumten Fahrradschuppen auf einer selbstgebauten 40 – Liter – Anlage für den Innovationswettbewerb der TUM gebraut wurde, dachte noch keiner von uns an irgendwelche Vorschriften, geschweige denn an eine Unternehmensgründung.
Befreundete Braustudenten, damals noch zu dritt wollten einfach ihrem kreativen Kopf freien Lauf lassen. Auf dem Plan stand eine starke Würze komponiert mit den Lieblingsfrüchten der Crew: Heidelbeere, Himbeere, Kirsche – vergoren mit Champagnerhefe.

Damit wurde auch in der ersten Runde des Wettbewerbs die Jury überzeugt.

Es folgten die ersten Einschränkungen: „Würze mit Frucht zu kombinieren ist in Deutschland rechtlich nicht möglich“ teilte man uns in einer rechtlichen Beratung mit.

Am Boden zerstört, die Idee nicht umsetzen zu können, begab sich das Team einige Tage darauf zu einer studentischen Veranstaltung, auf der es dankbar Freibier und Leberkäse genießen durfte. Nach dem zweiten (oder dritten) Bier und intensiverem Klagen kam man mit dem Studienkollegen David ins Gespräch.

Die Sympathiewellen schwangen sofort auf einer Bierebene und nach Erläuterung des Problems und ein (oder zwei) weiteren Freibieren zweifelte keiner vom Team mehr daran, dass diese Begegnung ein von Gott vorherbestimmtes schicksalhaftes Ereignis in der Geschichte von Rubin Royal darstellte. Wir schilderten unser Problem und diskutierten ausführlich die Möglichkeiten, die wir haben, um unser Produkt rechtlich auf der sicheren Seite zu haben. Das Ergebnis war mehr als nur überzeugend, denn aus der Not heraus wurde eine bis dato nie dagewesene Innovation geboren: Ein völliger neuartiger edler Gegenentwurf zum herkömmlichen Biermischgetränk. Sozusagen ein Brückenschlag zwischen Bier und Wein.

Eine Doppelbockwürze, separat mit Alehefe vergoren, erst vor der Abfüllung zusammengeführt mit einem extra produziertem Fruchtwein aus den jeweiligen Früchten.

Dass David zufällig auch ein professioneller Önologe ist, wunderte uns dann auch nicht mehr. Da lag es nur nahe den vierten Mann komplett ins Boot zu holen.“

Den Wettbewerb konnten die vier am Ende für sich entscheiden. Zur Braukunst Live! 2016 kommt Rubin Royal offiziell auf den Markt. Wer die Jungs kennenlernen möchte, kann sie an allen drei Tagen am Stand der TUM antreffen, den edlen Tropfen verkosten und auch direkt bestellen. Für mich bleibt zu sagen, dass dies ein sehr würdiger 200. Biertest zum zweiten Geburtstag von Hopfen-Craft war. Nicht aus diesem Grund, sondern weil es ein tolles Produkt ist, vergebe ich heute die Höchstwertung!

Soundtrack: Yes It Is – The Beatles

5 votes, average: 5,00 out of 55 votes, average: 5,00 out of 55 votes, average: 5,00 out of 55 votes, average: 5,00 out of 55 votes, average: 5,00 out of 5 Loading...

Camba Coffee Porter

image

Heute: Der Camba Coffee Porter. Ich weiß, diese Seite wird langsam ein wenig Porter- und Stoutlastig. Aber ich habe nun mal eine Schwäche für dunkle Biere.

Die tiefschwarze Farbe auf dem Foto ist in Wirklichkeit genau so. Hier haben wir es übrigens nicht mit einem Bier nach dem Reinheitsgebot zu tun, sondern mit einem sogenannten Biermischgetränk, da hier tatsächlich Kaffee enthalten ist. Ansonsten aber nur bestes Brauwasser, dunkle Gerstenbraumalze, Hopfen sowie obergärige Bierhefe.

Der Geruch, der mir beim Einschenken aus meinem neuen Glas entgegenströmt ist in erster Linie – Überraschung! – Kaffee. Es kommen aber auch einige dezente Töne von Bitterschokolade durch. Der Körper ist vollmundig, die Kohlensäure deutlich, aber gerade noch im erträglichen Maße. Zur Stabilität des Schaums hat das aber nicht beigetragen.

Der Abgang ist erwartungsgemäß relativ bitter, das Bier bleibt aber dabei einigermaßen süffig.

Warum man den Kaffee gebraucht hat, ist mir im Laufe des Tests nicht ganz klar geworden. Ich habe schon andere dunkle Biere getrunken, die mehr Kaffeearomen haben, aber das Mischen mit Kaffee und die damit einhergehende „Abqualifizierung“ (zumindest könnten das einige Reinheitsgebotsfanatiker so sehen) zum Biermischgetränk nicht gebraucht haben. Vielleicht benötigt man dazu einfach eine gute Geschichte, um das gut zu finden. Die hat mir aber heute keiner, auch nicht das Bier selbst, erzählt.
Mehr als drei Sterne kann ich mir heute leider in Richtung Truchtlaching nicht abringen. Da diese Brauerei aber noch eine Menge anderer Sorten im Angebot hat, bleibe ich dran.

Soundtrack: Blur – Coffee and TV

3 votes, average: 3,00 out of 53 votes, average: 3,00 out of 53 votes, average: 3,00 out of 53 votes, average: 3,00 out of 53 votes, average: 3,00 out of 5 Loading...
Visit Us On FacebookVisit Us On TwitterVisit Us On Google PlusCheck Our Feed